{"id":109,"date":"2021-11-09T14:07:33","date_gmt":"2021-11-09T13:07:33","guid":{"rendered":"https:\/\/schuetzen-allerheiligen.saufkopf.at\/?page_id=109"},"modified":"2022-09-08T09:55:09","modified_gmt":"2022-09-08T07:55:09","slug":"die-geschichte-des-tiroler-schuetzenwesens","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.schuetzen-allerheiligen.at\/?page_id=109","title":{"rendered":"Die Geschichte des Tiroler Sch\u00fctzenwesens"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Einleitung<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Geschichte des Tiroler Sch\u00fctzenwesens ist so eng mit der Geschichte des Landes Tirol verwebt, da\u00df man mit Recht behaupten kann, da\u00df es das Land Tirol ohne Sch\u00fctzen nicht geben w\u00fcrde; sie kann bis 1918 als Geschichte der Tiroler Landesverteidigung bezeichnet werden. Die Verteidigung des geliebten Vaterlandes, der Heimat, der eigenen Familie war stets das h\u00f6chste Ziel der Tiroler Sch\u00fctzen. Der Glaube an Gott und an ihre gerechte, allein die Verteidigung anstrebende Zielsetzung gab ihnen auch in Zeiten h\u00f6chster Not und Bedr\u00e4ngnis ungeahnte Kr\u00e4fte.&nbsp;<br><br>In der Geschichte des Tiroler Sch\u00fctzenwesens kann man drei Abschnitte unterscheiden:&nbsp;<br><br>1. Die Epoche vor dem Tiroler Landlibell von 1511.&nbsp;<br>2. Die Bl\u00fctezeit des Tiroler Sch\u00fctzenwesens auf der Grundlage der im Tiroler &nbsp;Landlibell zugrundegelegten Tiroler Landesverteidigungsordnung oder &nbsp;&nbsp;&nbsp;Verfassung von 1511 bis 1918, g\u00fcltig im ganzen und ungeteilten Tirol&nbsp;<br>3. a.) Die Tiroler Sch\u00fctzenkompagnien im \u00d6sterreichischen Bundesland Tirol&nbsp;<br>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;seit 1918\/1919 und der Bund der Tiroler Sch\u00fctzenkompagnien seit 1950&nbsp;<br>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;b.) Das Verbot der Sch\u00fctzenkompanien in S\u00fcdtirol und im Trentino durch<br>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;den italienischen Faschismus seit 1922 \u2013 und das Wiedererstehen der<br>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;S\u00fcdtiroler und Trentiner Sch\u00fctzenkompagnien nach 1946 \u2013 bzw. der&nbsp;<br>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;S\u00fcdtiroler Sch\u00fctzenbund seit 1958 und der Welschtiroler Sch\u00fctzenbund&nbsp;<br>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;seit 1982\/83.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Epoche vor 1511<\/h2>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"140\" height=\"283\" src=\"https:\/\/www.schuetzen-allerheiligen.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/geschichte_clip_image001.gif\" alt=\"\" class=\"wp-image-791\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Damit ist nur die Zeit des Sp\u00e4tmittelalters gemeint, jene Zeit also, welche in der Tiroler Geschichte gepr\u00e4gt ist einerseits von der Ausbildung des Landes bzw. der Grafschaft Tirol in der 2. H\u00e4lfte des 13.Jhds. und andererseits von der Epoche der St\u00e4dtegr\u00fcndungen vom ausgehenden 12. bis zum Beginn des 14. Jhds.Es ist jene Zeit, in der milit\u00e4rische Eins\u00e4tze noch weitgehend auf der Grundlage der Feudalverfassung erfolgten. Die damalige feudale Heerbann-Pflicht der Untertanen eines Territorialherren bzw. die betreffende\u00a0<em>Heerbann-Leistung<\/em>\u00a0war jedoch genereller Natur und unterschied nicht zwischen Kriegsdienst nach au\u00dfen und Landesverteidigung im Inneren des Landes.\u00a0<br>Nur bei einer Gruppe der Untertanen eines Landesherren bzw. Landesf\u00fcrsten dominierte von Anfang an die\u00a0<em>Verteidigungspflicht, &#8211; dies waren die B\u00fcrger der St\u00e4dte<\/em>.<br>Die St\u00e4dte Tirols hatten \u2013 wie die meisten St\u00e4dte Mitteleuropas \u2013 in der Hauptsache drei Funktionen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Sie mu\u00dften befestigt sein wie Burgen \u2013 daher auch der Name &#8222;B\u00fcrger&#8220; f\u00fcr Ihre Bewohner.<\/li><li>Dank Ihrer Befestigung boten sie der Wirtschaft bzw. Handel und Verkehr die notwendige Sicherheit.<\/li><li>Endlich fungierten die St\u00e4dte dank ihrer Befestigung als sichere Zentren im Ausbau und in der Sicherung der Landeshoheit und der Landesverwaltung.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Angesichts der hohen Bedeutung der milit\u00e4rischen Sicherheit in den St\u00e4dten ist es daher nicht mehr als selbstverst\u00e4ndlich, da\u00df die B\u00fcrgerschaft der St\u00e4dte in zweifacher Weise zu Sicherheitsleistungen verpflichtet war.<br>Einmal galt dies hinsichtlich des Baues und der Erhaltung der st\u00e4dtischen Ringmauern und der anderen Elemente der baulichen Stadtbefestigung und deren Instandhaltung; neben diesen baulichen Pflichten hatten die B\u00fcrger und alle Inwohner der St\u00e4dte die regelm\u00e4\u00dfige Pflicht zum Wachdienst und zur milit\u00e4rischen Bereitschaft. An der Spitze der st\u00e4dtischen Schutzmannschaft stand ein &#8222;Stadthauptmann&#8220;, dem, entsprechend der Stadtviertel, Viertelhauptleute zur Seite standen.<br>Wenngleich die Hauptaufgabe dieser st\u00e4dtischen Aufgebote die Verteidigung der jeweiligen Stadt war, so wurden die st\u00e4dtischen Aufgebotsmannschaften doch gelegentlich auch zum Verteidigungseinsatz an den Landesgrenzen herangezogen. So z.B. im Jahre 1410, als die Haller B\u00fcrger im Verlauf der damaligen Kriegsereignisse mit 72 Pferden und 52 Mann zu Fu\u00df&nbsp;<em>&#8220; ze velde<\/em>&nbsp;an&nbsp;<em>die lantweren<\/em>&#8220; ausgezogen sind.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">ca. um 1335<\/h3>\n\n\n\n<p>urkundliche Erw\u00e4hnung des Begriffes Sch\u00fctze in den Verordnungen der Grafen von G\u00f6rz; urkundliche Erw\u00e4hnung des Begriffes Sch\u00fctze in den Verordnungen der Grafen von G\u00f6rz;<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">ca. 1410<\/h3>\n\n\n\n<p>der Begriff &#8222;Sch\u00fctze&#8220; wird in den Musterregistern der Stadt Lienz verwendet; man bezeichnete damit die mit Armbrust bewaffneten &#8222;Stachelsch\u00fctzen&#8220;;<br>Aus dem eigentlichen Raum der Grafschaft Tirol hat sich ein nur wenige Jahre j\u00fcngeres Dokument erhalten, welches als&nbsp;<em>Tirols \u00e4ltestes &#8222;Aufgebot&#8220;<\/em>&nbsp;bezeichnet werden kann.<br>Konkret handelt es sich um eine Urkunde aus dem Jahre<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">1406<\/h3>\n\n\n\n<p>ist nicht nur f\u00fcr das Tiroler Sch\u00fctzenwesen von gro\u00dfer konstitutiver Bedeutung; aus dem gleichen Jahr datiert auch jene vom demselben Landesf\u00fcrsten und seinem j\u00fcngeren Bruder und Nachfolger, Herzog Friedrich IV. (mit der leeren Tasche) erlassene<em>&#8222;Landesordnung&#8220; oder Landesfreiheit,&nbsp;<\/em>welche f\u00fcr die Untertanen das Ende der Leibeigenschaft brachte.<br>Die Aufhebung der Leibeigenschaft war der erste Schritt zur politischen M\u00fcndigkeit aller Gerichtsuntertanen. An den seit 1424 ziemlich regelm\u00e4\u00dfig abgehaltenen Landtagen nahmen, neben den Adel, den Pr\u00e4laten und den St\u00e4dten auch die Vertreter der Land-, Hofmarkgerichte, in der Hauptsache also der Bauernstand als vierter, gleichberechtigter Stand teil.<br>Die so erlangte Landstandschaft hatte damit auch eine verst\u00e4rkte Identifikation mit dem Land und seinen Interessen, namentlich mit der Sicherheit zur Folge.<br>Damals wurde also die Grundlage f\u00fcr die jahrhundertelang praktizierte Bereitschaft der Tiroler, ihr Land zu verteidigen gelegt. Ziel und Inhalt des Tiroler Sch\u00fctzenwesens war dementsprechend stets nur die<br>V e r t e i d i g u n g des eigenen Landes, der eigenen, engeren Heimat, der eigenen Familie. Nachbarn zu bekriegen war \u2013 jedenfalls seit dem 15. Jhd. \u2013 niemals Absicht und Ziel der Tiroler Landesverteidiger.<br>Andererseits wu\u00dften die seit 1363 die Grafschaft Tirol regierenden habsburgischen Landesf\u00fcrsten die Bereitschaft der Tiroler, ihr Land selbst zu verteidigen, zu sch\u00e4tzen. Dementsprechend ist es keine leere Floskel, wenn Kaiser Maximilian I. in der Pr\u00e4ambel zum Tiroler Landlibell von 1511 darauf Bezug nimmt, da\u00df bereits von seinen Vorg\u00e4ngern in der Landherrschaft zugesichert und deklariert worden ist, da\u00df die Tiroler<em>&#8222;in Kriegszeiten nur verpflichtet sind, uns innerhalb und an den Grenzen des eigenen Landes zu dienen.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Bl\u00fctezeit<\/h3>\n\n\n\n<p><em>vorgenannten Ordnungen und Artikel, die unsere Landschaft beschlossen und sich dar\u00fcber geeinigt hat, zu gn\u00e4digen Wohlgefallen angenommen&#8220;&nbsp;<\/em>hat.<br>Die personelle Grundlage dieser Landesverteidigungsordnung bildet das Prinzip der allgemeinen Wehrpflicht aller tauglichen m\u00e4nnlichen Untertanen des Landes<br>Das Aufgebot erfolgt einerseits gerichtsweise bzw. durch die Gerichtsobrigkeit eines jeden Gerichtsbezirkes, andererseits in Entsprechung zum Grad der Bedrohung des Landes in f\u00fcnf gestaffelten Aufgeboten. Das erste Aufgebot umfa\u00dfte in Summe h\u00f6chstens 5000 Mann, das zweite Aufgebot 10.000 Mann, das dritte 15.000 und das vierte Aufgebot 20.000 Mann. &#8222;<em>Wenn aber die Feindesgefahr so gro\u00df und \u00fcberraschend ist, da\u00df die Streitmacht von 20.000 Mann nicht rechtzeitig ins Feld kommt, &#8230; so sollen inzwischen die der Gefahr am n\u00e4chsten Befindlichen aus allen St\u00e4nden zuziehen und solange bleiben, bis die obgenannten 20.000 Mann ins Feld kommen.&#8220;<\/em>Dieses f\u00fcnfte oder letzte Aufgebot sollte durch &#8222;Glockenstreich&#8220; d.h. durch Sturmgel\u00e4ute aufgerufen werden. Diejenigen aber, &#8222;<em>welche nach solchem Glockenstreich oder glaubhaften schriftlichen Aufforderungen nicht zuziehen, sollen an Leib und Gut bestraft werden.&#8220;<\/em><br>W\u00e4hrend also die Tiroler Landst\u00e4nde die Mannschaften f\u00fcr die Aufgebote stellten, \u00fcbernahm der Landesf\u00fcrst die Verpflichtung, &#8222;<em>Vorsorge zu treffen f\u00fcr die notwendigen Gesch\u00fctze, Pulver, Kugeln, Werkleute, B\u00fcchsenmeister, auch Harnisch und Wehr und anderes Kriegsmaterial, desgleichen, da\u00df die K\u00e4sten (<\/em>d.h. die Magazine)&nbsp;<em>mit Getreide, F\u00fctterung und Mehl ausreichend versehen&#8220;<\/em>&nbsp;sind. Auch die Instandhaltung der Befestigungsanlagen an den Landesgrenzen war landesf\u00fcrstliche Aufgabe.<br>Abgesehen von dieser Aufteilung der Pflichten zwischen Landschaft und Landesf\u00fcrst enth\u00e4lt das Landlibell auch gegen\u00fcber dem Landesf\u00fcrsten die einschr\u00e4nkenden Bestimmungen, wonach er einerseits k\u00fcnftig&nbsp;<em>ohne Wissen und Bewilligen der Landst\u00e4nde keinen Krieg anfangen solle oder wolle, der Tirol betreffe.&nbsp;<\/em>Andererseits nimmt er zur Kenntnis, da\u00df die Landst\u00e4nde bzw. Tirols Wehrm\u00e4nner &#8222;<em>nicht schuldig und verpflichtet sein, mit solcher ihrer Hilfe des kleinen oder gro\u00dfen Anschlags (bzw. Aufgebots) a u s unserem Land zu ziehen, sondern diese Hilfe einzig und allein als Hilfe zu Verteidigung, Widerstand gegen die Feinde und Bewahrung des Landes&#8220;&nbsp;<\/em>in Anspruch genommen werden kann.<br>In einem wesentlichen Punkt unterscheiden sich die Bestimmungen des Landlibells von der sp\u00e4teren Praxis: im Landlibell wird verf\u00fcgt, da\u00df die Hauptleute der Aufgebote &#8222;durch uns&#8220;, also durch den Landesf\u00fcrsten ernannt werden, w\u00e4hrend seit beginnenden 17.Jhd. die Aufgebotskommandanten von den Mannschaften selbst erw\u00e4hlt und lediglich von den landesf\u00fcrstlichen Beh\u00f6rden best\u00e4tigt worden sind.<br>Die mit den Tiroler Landst\u00e4nden kon\u00f6derierten geistlichen F\u00fcrstent\u00fcmer Brixen und Trient, die an dem Landlibell ebenfalls mitwirkten, zogen in Kriegsf\u00e4llen allerdings nicht unter Tiroler Fahne, sondern unter eigenem&nbsp;<em>&#8222;F\u00e4hnlein<\/em>&#8220; ins Feld.<br>Bereits vor 1511 war es allgemein \u00fcblich, da\u00df jedem Gerichtsaufgebot eigene Fahnen vorangetragen wurden. Die \u00e4ltesten urkundlichen Belege hierf\u00fcr liegen aus 1410 und 1496 vor. So zogen die B\u00fcrger von&nbsp;<em>Hall<\/em>im Jahr 1410&nbsp;<em>&#8222;mit aufgeworfenen Bannern&#8220;<\/em>&nbsp;an die Landesgrenze, w\u00e4hrend den Aufgeboten des Landgerichts&nbsp;<em>Laudegg<\/em>&nbsp;im obersten Inntal und jenem des&nbsp;<em>Passeiertales<\/em>&nbsp;im Jahre 1496 durch Maximilian die F\u00fchrung seiner Fahne verliehen und best\u00e4tigt worden ist. Die \u00e4lteste erhaltene Aufgebotsfahne, die auf grund des heraldischen Dekors in die Zeit zwischen 1490 und 1508 zu datieren ist, ist vermutlich die<em>Fahne des Bergknappenaufgebotes von Schwaz.<\/em><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">1511<\/h3>\n\n\n\n<p><em>Kaiser Maximilian erl\u00e4\u00dft das Landlibell, das die Verpflichtung zur Selbstverteidigung Tirols durch alle St\u00e4nde begr\u00fcndete; es ist das Grunddokument f\u00fcr die Tiroler Wehrhaftigkeit, best\u00e4tigte die tirolischen Landesfreiheiten und hat die Sonderentwicklung des Landes innerhalb \u00d6sterreichs mitbestimmt.<br>So wie jede Landesordnung, so bedurfte auch die Landesverteidigungsordnung von 1511 von Zeit zu Zeit&nbsp; gewisser Reformen, \u00c4nderungen und Anpassungen an die ver\u00e4nderten politischen und milit\u00e4rischen Gegebenheiten der Zeit.<\/em><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">1526<\/h3>\n\n\n\n<p>Zuzugsordnung, die den \u00f6rtlichen Einsatz des Aufgebots an den S\u00fcdgrenzen regelt; diese Zuzugsordnung wurde 1542 auch auf die n\u00f6rdlichen Landesgrenzen ausgedehnt.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">1552<\/h3>\n\n\n\n<p>Niederlage der Aufgebote gegen die schmalkaldischen Truppen; Verlust der Festung Ernberg.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">1605<\/h3>\n\n\n\n<p>Zuzugsordnung Erzherzog Maximilians III., der &#8222;Deutschmeister&#8220;; zum ersten Mal wird das &#8222;Welschtiroler Viertel&#8220; (Welschen Confinen) genannt. Neu war die Bewaffnung mit Musketen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">1636<\/h3>\n\n\n\n<p>&#8222;Landt-Militia&#8220; \u2013 Reformationslibell der Claudia de Medici. Erste &#8222;Militarisierung&#8220; der Landesverteidigung, die auf wenig Gegenliebe bei den St\u00e4nden und der Bev\u00f6lkerung stie\u00df<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">1660<\/h3>\n\n\n\n<p>R\u00fcckkehr zum Aufgebot des Landlibells<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">1703<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Tiroler Sch\u00fctzen erleben ihre erste Bew\u00e4hrung im sog. &#8222;Boarischen Rummel&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">1704<\/h3>\n\n\n\n<p>auf grund der in den Auseinandersetzungen von 1703 gewonnenen Erkenntnisse wurde eine neue Zuzugsordnung erlassen; sie sah die Bildung eines Regiments, bestehend aus 12 Scheibensch\u00fctzenkompanien zu je 200 Mann vor. Erstmals wurden die Sch\u00fctzen als eigene Truppe neben dem Milit\u00e4r als Teil der Landesverteidigung gef\u00fchrt. Die Verordnung verbesserte das Informationswesen: Kreidefeuer als Informationsmittel, die im Boarischen Rummel zu Mi\u00dfverst\u00e4ndnissen gef\u00fchrt hatten wurden durch die sog. &#8222;Laufzettel&#8220; ersetzt.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">1714<\/h3>\n\n\n\n<p>Erg\u00e4nzung der Zuzugsordnung von 1704; Bildung von 2 Regimentern, sp\u00e4ter von 4 Regimentern zu je 4000 Scheibensch\u00fctzen;<br>Eine wichtige Grundlage zur realen Anwendung der Bestimmungen des Tiroler Landlibells in den folgenden Zeiten, waren die regelm\u00e4\u00dfig in jedem Gericht durchzuf\u00fchrenden Musterungen, wovon eine Reihe aufschlu\u00dfreicher &#8222;Musterungslisten&#8220; erhalten geblieben sind.<br>Nicht weniger wichtig war die regelm\u00e4\u00dfige Schie\u00dfausbildung und Schie\u00df\u00fcbung an den Schie\u00dfst\u00e4nden, deren sich in jedem Gericht je nach dessen Gr\u00f6\u00dfe und Ausdehnung mindestens einer oder mehrere befunden haben. Grundlage daf\u00fcr bot die<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">1736<\/h3>\n\n\n\n<p>von Kaiser Karl VI erlassene Schie\u00dfstandordnung, die fast hundert Jahre Bestand haben sollte; sie regelte in 75 Artikeln das Schie\u00df- und Sch\u00fctzenwesen in Tirol; es anerkannte das Tirolische Defensionswesen als eigenst\u00e4ndiges Verteidigungssystem neben jenem des restlichen Kaiserreiches. In der Folge entstanden in vielen Orten Tirols Schie\u00dfst\u00e4nde.<br>Zeit eine Differenzierung der Landesverteidiger in zwei Gruppen, in jene der Standsch\u00fctzen und in jene der Landst\u00fcrmer oder Milizioten.<br>Die Standsch\u00fctzen waren Sch\u00fctzen, die sich geradezu vereinsm\u00e4\u00dfig als Mitglieder eines Schie\u00dfstandes einschreiben bzw. &#8222;einrollieren&#8220; lie\u00dfen. Sie verpflichteten sich zu einer intensiven Scharf- und Scheibensch\u00fctzen-Ausbildung. Die von diesen Scharfsch\u00fctzen gebildeten Defensions-Kompagnien waren wegen ihrer Treffsicherheit von den Kriegsgegenern gef\u00fcrchtet. F\u00fcr ihre Eins\u00e4tze bevorzugten sie Talengen und Klausen.<br>Die Landst\u00fcrmer oder Angeh\u00f6rige der Landmilitia hingegen verzichteten auf eine gezielte Scharfsch\u00fctzen-Ausbildung und kamen nur der milit\u00e4rischen Pr\u00e4senz- und Einsatzpflicht nach, d.h. sie r\u00fcckten im Ernstfall im Rahmen des Gerichts-Aufgebots mit ihrem Stutzen ins Feld.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">1796<\/h3>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"340\" height=\"197\" src=\"https:\/\/www.schuetzen-allerheiligen.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/geschichte_clip_image004.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-792\" srcset=\"https:\/\/www.schuetzen-allerheiligen.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/geschichte_clip_image004.jpg 340w, https:\/\/www.schuetzen-allerheiligen.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/geschichte_clip_image004-300x174.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 340px) 100vw, 340px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Erste gro\u00dfe Bew\u00e4hrungsprobe des Tiroler Selbstverteidigungssystems in den ersten Revolutionskriegen gegen Napoleon I. (Schlacht bei Spinges &#8211; 4. April 1796 &#8211; Schlachten bei Bozen, Segonzano und Rivoli). In den Kriegsberichtserstattungen werden zum ersten Mal die Begriffe Sch\u00fctzenkompanien in Verbindung mit dem Namen eines Gerichts oder Ortschaft verwendet; Gemeinde-Kompagnien konnten sich nur dort bilden, wo ein entsprechendes Bev\u00f6lkerungswachstum vorlag.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">1809<\/h3>\n\n\n\n<p>Tiroler Befreiungskriege unter F\u00fchrung von Andreas Hofer; Tiroler Sch\u00fctzen befreien das Land von bayrischer und franz\u00f6sischer Besetzung. Drei &#8222;Bergiselschlachten&#8220;<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">1810<\/h3>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"140\" height=\"147\" src=\"https:\/\/www.schuetzen-allerheiligen.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/geschichte_clip_image006.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-793\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Andreas Hofer,\u00a0Oberkommandant von Tirolund Anf\u00fchrer des Tiroler Aufstandes 180920. Februar 1810 &#8211; Erschie\u00dfung Andreas Hofers in Mantua sowie anderer Sch\u00fctzenkommandanten. Tirol wird dreigeteilt in Etschkreis (K\u00f6nigreich Italien) Innkreis (Bayern) und Illyrischen Kreis (K\u00e4rnten).<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">1815<\/h3>\n\n\n\n<p>Wiener Kongre\u00df &#8211; Wiedervereinigung Tirols als Habsburgischen Erb-Kronland.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">1839<\/h3>\n\n\n\n<p>erschien anl\u00e4\u00dflich der &#8222;Erbhuldigung der Tiroler St\u00e4nde vor Kaiser Ferdinand I&#8220; in Innsbruck eine Dokumentation von Beda Weber, in der alle daran teilnehmenden Sch\u00fctzenkompanien genannt wurden<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">ab 1838<\/h3>\n\n\n\n<p>faktisches Ende des Selbstverteidigungssystems der Tiroler durch Einf\u00fchrung der zwangsweisen Rekrutierung, wie in den \u00fcbrigen Teilen des Reiches; einzige Besonderheit: der Milit\u00e4rdienst mu\u00dfte nur im eigenen Land absolviert werden; auch dieses Versprechen wurde 1866 bzw. 1914 von der Krone gebrochen<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">1838<\/h3>\n\n\n\n<p>Gr\u00fcndung des Tiroler J\u00e4gerregiments, das bis 1914 ausschlie\u00dflich aus Tirolern gebildet wurde und nur zum Schutz des Landes eingesetzt werden sollte. Entgegen dieser Regelung 1866 in den K\u00e4mpfen gegen das K\u00f6nigreich Italien eingesetzt.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">1848<\/h3>\n\n\n\n<p>Ausr\u00fccken verschiedener Sch\u00fctzenkompanien an die s\u00fcdlichen Grenzen (Judikarien, Ampezzo &#8211; Gebiet, Stilfser Joch) gegen die Aufst\u00e4ndischen der M\u00e4rzrevolution; Gr\u00fcndung der Tiroler Studenten-Sch\u00fctzenkompanien unter Adolf Pichler (Innsbruck) und Prof.B\u00f6hme (Wien)<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">1864<\/h3>\n\n\n\n<p>eine neue Landesverteidigungsordnung gliederte das Aufgebot je nach Grad der Feindesgefahr in 1. Organisierte Landessch\u00fctzenkompanien (6200 Mann), 2.freiwillige Scharfsch\u00fctzenkompanien und 3. der Landsturm; Das Institut der Landesverteidigung wird zu einer rein b\u00fcrgerlichen Institution. Die allgemeine Wehrpflicht gilt nun auch in Tirol.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">1866<\/h3>\n\n\n\n<p>Mobilisierung des 2. und 3. Aufgebots; Bildung einer &#8222;Freiwilligen Scharfsch\u00fctzenkompanie&#8220; durch die Studentenverbindung &#8222;Rh\u00e4tia&#8220;, &#8222;Athesia&#8220; und &#8222;Austria&#8220; unter Gymnasialprof. Josef Daum, sowie einer &#8222;Ersten Wien-Tiroler Scharfsch\u00fctzenkompanie&#8220;.<br>Landesverteidigung an den Landesgrenzen &#8211; im Vinschgau, Judikarien, Sulz- und Nonstal, Buchenstein, Ampezzo, Fleimstal. Gefechte bei Bezecca (SK Kitzb\u00fchel-Hopfgarten-Rattenberg-Schwaz), Gefecht bei Virgolo in der Valsorda (SK F\u00fcgen-Zell)<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">1870<\/h3>\n\n\n\n<p>Das Institut der Landesverteidigung als b\u00fcrgerliche Einrichtung wird durch das Gesetz vom 19.12.1870 zu einem &#8222;integrierten Teil der bewaffneten Macht.&#8220; Damit Ende des freiwilligen Selbstverteidigungssystems. Bildung einer Art Landmiliz. Die Landessch\u00fctzen wurden in 10 Bataillonen mit 4 (6) Kompanien gegliedert. Die Offiziere &#8211; in Tiroler Sch\u00fctzenkompanien immer von den Sch\u00fctzen gew\u00e4hlt wurden ernannt. Dies wurde, trotz Widerstands des Tiroler Landtags 1874 sanktioniert. Darin wurde verf\u00fcgt, da\u00df die wehrpflichtigen Tiroler fortan \u2013 entweder im Rahmen der k.u.k. Armee bei den Tiroler Kaiserj\u00e4gern oder im Rahmen der k.k. \u00d6sterreichischen Landwehr bei den damals als milit\u00e4rische Einheit aufgestellten &#8222;Tiroler Landessch\u00fctzen&#8220; dienen konnten. Damit wurden dem alten Tiroler Sch\u00fctzenwesen die wehrpflichtigen Jahrg\u00e4nge von 18. bis zum 42. Lebensjahr jeweils f\u00fcr die Dauer der Ableistung der Wehrpflicht entzogen. Nach der Ableistung der Wehrpflicht, bildeten diese M\u00e4nner jedoch den Landsturm. Sowohl den Mitgliedern des Landsturms, wie den M\u00e4nnern unter dem 18. und \u00fcber dem 42. Lebensjahr war es freigestellt, sich \u00fcberdies bei einem Schie\u00dfstand als &#8222;Standsch\u00fctze&#8220; einzurollieren. So entstanden die ber\u00fchmten Standsch\u00fctzenregimenter und \u2013 Kompanien, die im Jahre 1915 nach der \u00fcberraschenden Kriegserkl\u00e4rung Italiens und dem Einsatz der Tiroler Kaiserj\u00e4ger an der Ostfront, in aller Eile mobilisiert wurden und die S\u00fcdfront so lange hielten, bis die regul\u00e4ren Truppen eintrafen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">1874<\/h3>\n\n\n\n<p>Neue Schie\u00dfstandsordnung. Der Begriff &#8222;Standsch\u00fctzen&#8220; als Mitglieder dieser Schie\u00dfstandvereine wird eingef\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">1883\/1886<\/h3>\n\n\n\n<p>Militarisierung der Tiroler Wehrverfassung. Der Landsturm als gesamtstaatliche Einrichtung wird dem milit\u00e4rischen Gesetz und Gerichtsbarkeit unterworfen. Der Einsatz au\u00dferhalb der Landesgrenzen wird sanktioniert. Au\u00dferdem konnten auch &#8222;Nicht-Tiroler&#8220; Landessch\u00fctzen werden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">1914\/1918<\/h3>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"354\" height=\"203\" src=\"https:\/\/www.schuetzen-allerheiligen.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/geschichte_clip_image007.gif\" alt=\"\" class=\"wp-image-794\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Einsatz der Standsch\u00fctzen an der S\u00fcdgrenze Tirols; Standsch\u00fctzen waren alle jene, die zu jung oder zu alt waren, um in die regul\u00e4re Armee einberufen zu werden; sie bildeten 1915 &#8211; nachdem die regul\u00e4ren Tiroler Regimenter in Galizien eingesetzt waren, das R\u00fcckgrat der Verteidigung gegen Italien. Sie f\u00fchrten erfolgreich den Krieg in Bergen (Monte Piano, Ortlerfront, Dolomitenfront.). Die s\u00fcdliche Tiroler Landesgrenze wurde nie milit\u00e4risch im Kampf eingenommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Tiroler Standsch\u00fctzen im h\u00f6chsten Sch\u00fctzengraben des Ersten Weltkrieges am Ortler-Vorgipfel auf etwa 3850 m H\u00f6he im Jahr 1916<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">1919<\/h3>\n\n\n\n<p>Annexion Tirols durch Italien und Teilung. Der Faschismus verbietet alles Deutsche, die Tracht, die Institution Sch\u00fctzen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einleitung Die Geschichte des Tiroler Sch\u00fctzenwesens ist so eng mit der Geschichte des Landes Tirol verwebt, da\u00df man mit Recht behaupten kann, da\u00df es das Land Tirol ohne Sch\u00fctzen nicht &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/www.schuetzen-allerheiligen.at\/?page_id=109\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eDie Geschichte des Tiroler Sch\u00fctzenwesens\u201c<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":0,"parent":107,"menu_order":1,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"advanced_seo_description":"","jetpack_seo_html_title":"","jetpack_seo_noindex":false,"footnotes":""},"class_list":["post-109","page","type-page","status-publish","hentry"],"jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.schuetzen-allerheiligen.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/109","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.schuetzen-allerheiligen.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.schuetzen-allerheiligen.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schuetzen-allerheiligen.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schuetzen-allerheiligen.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=109"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.schuetzen-allerheiligen.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/109\/revisions"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schuetzen-allerheiligen.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/107"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.schuetzen-allerheiligen.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=109"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}